Die 0:1-Niederlage im Finale gegen Spanien hätte für Argentinien die bitterste Nacht des Turniers sein sollen, doch die eigentliche Tortur begann erst nach dem Schlusspfiff: Die FIFA leitete ein Disziplinarverfahren wegen der Ausschreitungen nach dem Endspiel und einer Reihe von Vergehen während des gesamten Turniers ein. Die Wortwahl des Weltverbands ist nüchtern und streng: "Die FIFA hat ein Disziplinarverfahren gegen Argentinien wegen des Verhaltens nach der WM-Finalniederlage gegen Spanien und während des gesamten Turniers eröffnet." Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen drei Männer – Verteidiger Nauel Molina, Mittelfeldspieler Leandro Paredes und Co-Trainer Roberto Ayala, denen allen körperliche Gewalt vorgeworfen wird. Der Vorwurf wiegt schwer. Jedem droht eine Sperre von mindestens drei Spielen, sodass ihr Einsatz in den kommenden offiziellen Partien infrage steht. Damit nicht genug: Dem argentinischen Fußballverband werden separat das Zeigen eines politischen Banners zu den Falklandinseln, rassistische Beleidigungen und ein eklatanter Verstoß gegen die Sicherheitsbestimmungen vorgeworfen. Die FIFA prüft den Fall nach den Artikeln 13, 14, 15 und 17 ihres Disziplinarcodes.

Hier liegt der eigentliche Widerspruch. Sportlich erreichte Argentinien das Finale und verpasste den Titel um ein einziges Tor, doch das, was abseits des Platzes geschah, hat diese Leistung nahezu ausgelöscht und ein Fest des Sports durch Aggression und Politik in den Schatten gezogen. Argentiniens Schicksal wird nicht mehr auf dem Platz entschieden. Es liegt in den Händen der FIFA-Disziplinarkommission, wo der Preis für eine Niederlage weit höher ausfallen könnte als das verlorene Finale selbst.
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