Platzender Motor und der totale Triumph eines Teenagers in Kanada
George Russells Wochenende in Montreal hätte nicht besser beginnen können. Er gewann am Samstag den Sprint, kämpfte sich am Sonntag dann vorn durchs Feld. Dann ließ ihn der Motor im Stich. Und während der Brite seinen Wagen humpelnd zurück an die Box brachte, fuhr sein 19 Jahre alter Teamkollege bereits als Erster über die Ziellinie. Andrea Kimi Antonelli gewann den Großen Preis von Kanada und feierte damit seinen vierten Sieg in Serie. Seine WM-Führung wächst auf 43 Punkte. Der Stand lautet nun 131 zu 88 – ein Abstand, der an einem einzigen Wochenende weit aufgerissen wurde, 25:0.

Diese Serie ist kein Zufall. China, Japan, Miami, Kanada – vier Rennen, vier Siege. Nach nur fünf Rennen der Saison führt der Italiener die Meisterschaft mit echter Souveränität an, auch wenn er weiter beteuert, es sei noch nichts entschieden.
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Totale Dominanz: Wie Antonelli die Formel-1-Geschichte neu schreibt
Diese Siegesserie hat die Rekordbücher der Formel 1 an mehreren Stellen umgeschrieben. Mit seinem Erfolg in Kanada ist Antonelli der erste Fahrer der Geschichte, der die ersten vier Rennen seiner Karriere in Folge gewonnen hat. Schon sein Debüt in China war ein Rekord – mit diesem ersten Sieg wurde er zum zweitjüngsten Fahrer, der je einen Grand Prix gewann. Dann folgte Japan, wo er als erster Italiener seit Alberto Ascari 1953 zwei Rennen direkt nacheinander gewann.
Sein Weg in die Formel 1 war nie der übliche. Als Produkt des Mercedes-Nachwuchsprogramms wurde er schon als Kind als etwas Besonderes gehandelt, und in den Nachwuchsserien wurde schiere Dominanz zu seinem Markenzeichen. Seine Führerscheinprüfung bestand er erst wenige Wochen vor seinem Debütrennen, doch schon in seinen allerersten Runden auf der Strecke fuhr er mit der kühlen Aggressivität eines Routiniers.

Erbe einer Legende: Antonellis historisches Debüt
Jeder Schritt Antonellis führt zu einem Namen zurück. 2025 ersetzte er bei Mercedes den siebenmaligen Weltmeister Lewis Hamilton und wurde damit der erste Rookie des Teams seit den 1950er-Jahren. Diese Debütsaison beendete er auf Rang sieben, doch die entscheidende Zahl lautete 150 Punkte – Rekord für einen Rookie über eine komplette Saison, womit er die alte Bestmarke übertraf, die ausgerechnet Hamilton selbst aufgestellt hatte.
Mit der WM-Führung in Japan fiel ein weiterer Eintrag in den Büchern. Antonelli wurde der jüngste Spitzenreiter der WM-Wertung in der Geschichte der Formel 1 und brach Hamiltons Rekord aus dem Jahr 2007, als der Brite mit 22 Jahren geführt hatte. Die Symbolik wird dadurch nur noch schärfer: Der Mann, der den Platz der Legende eingenommen hat, löscht nun auch deren Rekorde aus. Experten vergleichen seine Ankunft mit den Debüts von Senna, Häkkinen und Verstappen, während die britischen Medien ihn bereits als Top-Kandidaten sehen, eines Tages Hamiltons Ausbeute zu erreichen.
Hinter all diesen Rekorden steht allerdings ein Teenager. Nach seinem Sieg in Japan gab es für ihn keinen Champagner – zu jung –, er musste sich auf dem Podium mit einem Softdrink begnügen.

Die Temperatur steigt bei Mercedes
In ein und derselben Mercedes-Garage werden zwei völlig verschiedene Geschichten geschrieben. Russell sieht es so: „Er kann es nur noch verlieren“, räumte er ein. Der Italiener selbst kann dieser Logik nichts abgewinnen. „Wie kann ich etwas verlieren, das ich noch gar nicht gewonnen habe?“, entgegnete er.
Russell, 28, hat in diesem Jahr nur einen einzigen Sieg auf dem Konto, beim Saisonauftakt in Australien, und er zieht Kraft aus seiner eigenen Vergangenheit. 2018 holte er in der Formel 2 den Titel trotz einer Reihe bitterer technischer Probleme. Der Kontrast ist scharf: Der eine Fahrer glaubt, das Glück habe sich von ihm abgewandt, der andere drückt hart, aber clever. Noch bleibt die Spannung unter der Oberfläche – doch ihre Ladung knistert schon jetzt spürbar durch die Boxengasse.

Zahlen gegen Euphorie: Warum Mercedes auf ein großes Comeback von Russell setzt
Die Geschichte der Formel 1 zeigt eines deutlich: 43 Punkte garantieren gar nichts. 2012 hatte Fernando Alonso einen soliden Vorsprung auf Sebastian Vettel, doch am Ende der Saison hielt der Deutsche den Titel in den Händen. 2022 führte Charles Leclerc in den ersten Rennen vor Verstappen, doch der Niederländer holte sich erneut die Krone. Das deutlichste Beispiel liegt erst ein Jahr zurück: 2025 lag Max Verstappen zeitweise 104 Punkte hinter dem Spitzenreiter, doch die Saison endete mit Lando Norris als Champion – mit nur zwei Punkten Vorsprung.
Auch die eigenen Zahlen von Mercedes mahnen zur Vorsicht. Nach den Berechnungen des Teams steht Antonelli, sollte das Drehbuch wie 2025 verlaufen, ein harter Abschnitt in Europa bevor, in dem Russell ihn etwa im elften Rennen überholen dürfte. Ob der Teenager diesen Rhythmus halten kann, wird Woche für Woche in der Gesamtwertung beantwortet.




