Paulo Dybala trat am Montagabend nach Romas wildem 3:2-Comeback gegen Parma ans Mikrofon von Sky Italia und sagte zwei Dinge. Das erste jagte den Roma-Fans einen Schauer über den Rücken. Das zweite beschäftigte ganz Argentinien.

„Laut Vertrag wird das Derby wahrscheinlich mein letztes Spiel vor den Roma-Fans sein.“

„Hat sich der Klub bei mir gemeldet? Nein.“

Gesponsert
MYBC SPORTSBOOK $10 Gratiswette auf deine erste Einzahlung Registriere dich in einer Minute bei MYBC und löse sie ein. Registrieren

Dieses „Nein“ reichte. Innerhalb von 24 Stunden war Dybalas Zukunft das heißeste Thema auf dem Transfermarkt. Und am nächsten Tag ließ Scaloni ihn aus dem vorläufigen WM-Kader mit 55 Spielern draußen.

Rom hat nicht angerufen. Scaloni auch nicht. Vierzehn Jahre in Italien – und nun hängt eine Frage in der Luft: Wohin geht La Joya?

„Nein“ – ein Wort, das ganz Argentinien beschäftigt: Wohin führt der Weg von La Joya?

DAS INTERVIEW BEI SKY ITALIA – WAS ER SAGTE UND WAS NICHT

Am 10. Mai lieferte Roma im Stadio Ennio Tardini in Parma einen dieser klassischen Roma-Schlussakte ab. Das Team lag 1:2 zurück. Donyell Malen verwandelte in der 101. Minute einen Elfmeter. 3:2. Roma blieb im Rennen um die Champions League – punktgleich mit dem AC Mailand auf Rang vier.

Nach dem Abpfiff ging Dybala, der eines der Tore vorbereitet hatte, zu den Kameras. Doch über das Spiel sprach er nicht.

„Die Wahrheit ist: Ich würde selbst gern etwas wissen. Laut Vertrag wird das Derby wahrscheinlich mein letztes Spiel vor den Roma-Fans sein. Ich habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen, aber so steht es im Vertrag.“

Der Journalist stellte die naheliegende Frage: Hat sich der Klub wegen eines neuen Vertrags gemeldet?

„Nein.“

Ein Wort. Und darin steckt Romas Schweigen, Dybalas Frust und das Schlusskapitel einer Karriere, die 14 Jahre im italienischen Fußball umspannt.

Sein Vertrag läuft am 30. Juni aus. Es sind noch zwei Spiele zu absolvieren – das Derby gegen Lazio zu Hause (sein letztes vor den Roma-Anhängern) und zum Saisonabschluss das Auswärtsspiel bei Hellas Verona. Wenn sich die Friedkins nicht bewegen, ist er im Juli ablösefrei.

138 Einsätze. 45 Tore. 25 Vorlagen. Seit Juli 2022 im Verein – von José Mourinho geholt. Ein Publikumsliebling. Und jetzt: „Niemand hat mich angerufen.“

Das Bitterste daran: Im Sommer 2024 kam der saudische Klub Al-Qadsiah mit einem Monsterangebot – angeblich 25 Millionen Euro pro Jahr. Dybala lehnte ab. Er entschied sich für Rom zu bleiben. Zwei Jahre später greift der Klub nicht einmal zum Telefon.

Im Fußball tut das mehr weh als jede Verletzung.

„Nein“ – ein Wort, das ganz Argentinien beschäftigt: Wohin führt der Weg von La Joya?

SCALONIS ENTSCHEIDUNG – DIE WM-TÜR IST ZU

Am nächsten Tag, dem 11. Mai, folgte der zweite Schlag.

Scaloni veröffentlichte seinen vorläufigen WM-Kader mit 55 Spielern. Fünfundfünfzig Namen. Dybala stand nicht darauf.

Man muss sich das einmal vor Augen führen. Ein Weltmeister von 2022. Der Mann, der im Elfmeterschießen gegen Frankreich in Lusail seinen Elfmeter verwandelte. 40 Länderspiele, vier Tore. Und er schafft es nicht einmal auf eine Liste mit 55 Namen.

Die Begründung ist auf dem Papier nachvollziehbar – eine knüppelharte Saison. 25 von 36 Spielen. Eine Oberschenkelverletzung. Am 5. Februar eine Meniskus-Operation am linken Knie – fast drei Monate Pause. 2026 hat er erst zweimal die vollen 90 Minuten durchgespielt. Am 25. April kehrte er gegen Bologna zurück – für 13 Minuten als Einwechselspieler.

Scaloni setzte stattdessen auf die jungen Spieler. Garnacho bei Chelsea. Mastantuono bei Real Madrid. Nico Paz bei Como. Matías Soulé bei Roma – Dybalas eigener Mitspieler. Echeverri bei Girona. Das sind jetzt die Offensivplätze.

Und das Detail mit Soulé schmerzt am meisten. Die beiden teilen sich jeden Tag in Trigoria die Kabine. Soulé hat es geschafft. Dybala nicht. Derselbe Klub, dasselbe Trainingsgelände, zwei völlig unterschiedliche Wege.

„Nein“ – ein Wort, das ganz Argentinien beschäftigt: Wohin führt der Weg von La Joya?

DIE WENDUNG, MIT DER NIEMAND RECHNETE – IST DYBALA ZU GEHALTSVERZICHT BEREIT?

Nun nimmt die Geschichte eine Wendung.

Am selben Montag – fast zeitgleich mit dem Interview bei Sky Italia – ließ der italienische Journalist Nicolò Schira eine Bombe in die Gegenrichtung platzen: „Dybala hat die Tür für eine deutliche Gehaltskürzung geöffnet, um noch eine Saison bei Roma zu bleiben. Er wartet auf eine endgültige Entscheidung der Friedkins, hat aber noch kein offizielles Angebot erhalten. Gasperini will ihn halten.“

Also: La Joya will bleiben. So sehr, dass er auf Geld verzichten würde. Trainer Gian Piero Gasperini macht sich dafür stark. Der Ball liegt jetzt im Feld der Friedkins.

Das ändert alles. Wenn Roma mit einem Angebot kommt – auch mit reduziertem Gehalt –, bleibt Boca nur die Zuschauerrolle. Schweigen die Italiener aber weiter? Dann wird es in La Bombonera laut.

„Nein“ – ein Wort, das ganz Argentinien beschäftigt: Wohin führt der Weg von La Joya?

BOCA – EIN TRAUM, DER MIT EINEM VERSPRECHEN BEGANN

Apropos La Bombonera. Ein Name geistert seit Monaten durch die Gespräche am Esstisch der Familie Dybala: Boca Juniors.

Am 29. April sagte ESPN-Journalist Leo Paradizo bei SportsCenter: „Es gibt eine Vorvereinbarung, es gibt einen Vertrag, und nach der WM kehrt Paulo Dybala in den argentinischen Fußball zurück, um das Boca-Trikot zu tragen.“

Schon am nächsten Tag widersprach Schira aus Italien: „Dybala hat seine Zukunft noch nicht entschieden. Es gibt keine Einigung mit Boca.“ Der Corriere dello Sport bestätigte das – auch das Lager des Spielers dementierte eine Einigung.

Eine Quelle sagt ja. Zwei sagen nein. Die Geschichte lebt mehr denn je. Doch Bocas Interesse ist real. Laut Facundo Pérez von D Sports Radio hat Juan Román Riquelme bereits einen Vertrag aufgesetzt. Das Geld ist beiseitegelegt. Die Struktur steht. Es fehlt nur das Ja des Spielers selbst.

„Nein“ – ein Wort, das ganz Argentinien beschäftigt: Wohin führt der Weg von La Joya?

Leandro Paredes, Bocas Kapitän, ist der perfekte Komplize in dieser Geschichte. Einer von Dybalas engsten Freunden, ein Bruder aus der Nationalmannschaft. Paredes’ Frau Camila Galante ist die beste Freundin von Dybalas Frau Oriana Sabatini. Dybala sagte es selbst kürzlich: „Camila und Leandro schreiben uns ständig deswegen. Vor ein paar Tagen hat jemand ein Bild von mir im Boca-Trikot gepostet, und alle haben sich totgelacht.“

Das Bild war KI-generiert. Jemand hatte es in den Familienchat geworfen. Alle lachten. „Es wäre schön“, sagte Dybala. Doch hinter dem Lachen steckt immer ein Funken Wahrheit.

Und dann ist da das Detail, das mitten ins Herz trifft. Catherine Fulop – Dybalas Schwiegermutter, venezolanisch-argentinische Schauspielerin und Orianas Mutter – sagte vor zwei Wochen in der Sendung Urbana Play von TyC Sports:

„Er liebt Roma, liebt den Klub, und ich glaube, Roma liebt ihn auch. Das wäre seine erste Wahl. Aber er hat auch einen Traum, den er sich für seinen Vater erfüllen will – für Boca zu spielen. Vor allem wegen seines Vaters, der ihm diesen Traum eingepflanzt hat.“

Ein Versprechen an den Vater. Eine Schuld, die er seit Kindertagen mit sich trägt. Dybalas Vater, der nicht mehr da ist, zog ihn als Boca-Fan auf. Paulo hat das nie vergessen.

Und zur Auflockerung: Ova Sabatini, Dybalas Schwiegervater, ist eingefleischter River-Plate-Fan. „Ova weint wegen River, er verpasst kein Spiel“, sagte Fulop im selben Interview. Man stelle sich die Familiengrillfeste vor, wenn Paulo in Blau-Gold auftaucht.

Hinter allem steckt das zärtlichste Detail. Gia, die erste Tochter von Paulo und Oriana, kam am 2. März im Gemelli-Krankenhaus in Rom zur Welt. Zwei Monate alt. Ein kleines Mädchen, das bald den Kontinent wechseln könnte.

Das Versprechen eines Vaters. Ein bester Freund, der mit der Kapitänsbinde wartet. Eine Frau, die sagte: „Ich bin bei dir.“ Eine neugeborene Tochter. Romas Schweigen. Scalonis „Nein“. Und eine Zukunft, die in aller Eile geschrieben wird.

„Nein“ – ein Wort, das ganz Argentinien beschäftigt: Wohin führt der Weg von La Joya?

VIERZEHN JAHRE IN ITALIEN – DAS BUCH, AUFGESCHLAGEN AUF DER LETZTEN SEITE

Dybala verließ Argentinien mit 18 Jahren in Richtung Palermo – im Jahr 2012. Dann kam Juventus, wo er zum Star wurde. Dann Roma, wo er zur Ikone wurde. Er ist jetzt 32. Nicht mehr das Wunderkind, auf das alle warteten. Er ist ein gestandener Fußballer, ein Vater, ein Mann mit 14 Jahren italienischem Leben im Rücken.

Ein letztes Derby gegen Lazio zu Hause. Eine letzte Reise nach Verona. Und ab Juli – ablösefrei. Drei Wege stehen gleichzeitig offen.

Einer führt zurück ins Olimpico, wenn die Friedkins reagieren und den Gehaltsverzicht akzeptieren. Ein anderer nach La Bombonera, wo Paredes wartet. Und ein dritter – im Fußball gibt es immer einen dritten – könnte jederzeit aus dem Nichts auftauchen.

Alles scheint in eine Richtung zu deuten. Aber „Nein“ und „Es wäre schön“ sind eben noch kein „Ja“.

Die letzte Seite im Buch von Paulo Dybala wird gerade geschrieben. Niemand weiß, welcher Klub das Kapitel beendet. Aber dieses eine Wort – „Nein“ – reichte, damit ganz Argentinien hinschaut.

Roma schweigt. Scaloni hat die Tür zugemacht. Boca wartet. Und La Bombonera summt schon.